VISIONEN im GEIST,
den HORIZONT im BLICK & das LEBEN im VISIER


© Amy Brown
Kopfknäul

Ein Knäuel aus Gedanken, aus Gefühlen, aus Angst in meinem Kopf. Knäuel ist schon ein komisches Wort. Eine kugelförmige Masse, festgezurrt in monatelanger Schwerstarbeit und scheinbar ohne Anfang und ohne Ende. Scheinbar. Denn langsam, ganz langsam spüre ich an einer noch nicht klar lokalisierbaren Stelle, dass sich irgendwo ein Faden zu befreien versucht. Ja, ich rauche zuviel, ich trinke zuviel, ich unternehme zu wenig. Noch immer. Doch ich weine nicht mehr jeden Tag, der Gedanke an Dich ist nicht mehr ganz so schmerzlich, manchmal jedenfalls. Ich lasse den Gedanken zu, dass ein Teil meines Schmerzes sich in Selbstmitleid suhlt... vielleicht weil es vermeintlich einfacher ist, als Konsequenzen zu (er)tragen. Vielleicht weil Leid prädestiniert ist als Entschuldigung herzuhalten.

Was tut mir weh? Die Tatsache, dass ich mir mein Verhalten nicht verzeihen kann? Zu sehen, wie traurig Du bist? Nicht zu wissen, ob es der richtige Weg ist? Keine klare Entscheidung treffen zu können? Alles zusammen, irgendwie.

Ich bin nirgendwo Ganz und Gar. Sehne mich nach Klarheit und Kraft für eine eindeutige Entscheidung. Ich vermisse mein Leben, vermisse mich, so wie ich mich bisher kannte. Es fällt mir schwer zu akzeptieren, dass die Frau der letzten Monaten genauso so 'ich' ist. Es ist so einfach zu sagen "ich erkenne mich gar nicht wieder".

Ich will lernen nicht immer nur zurück zu blicken. Will endlich wieder eine Perspektive schaffen, will eine Leben leben, dass lebenswert ist. Keine großen Sachen, einfach nur nicht als Knäuel zusammengeknüllt. Einen Spagat zwischen Verdrängung, Oberflächlichkeit und einem gesunden Maß an Selbstachtung, und nach vorne gerichtetem Blick.

Ich habe mich in einer Weise verhalten, die ich verabscheue. Ich habe Dir weh getan und trage den Schmerz die ganze Zeit mit mir herum. Ich habe etwas falsch gemacht und ich schäme mich so sehr dafür. Manchmal wünsche ich mir eine Art  "Strafe", vielleicht weil ich mir einrede, dass es dann leichter zu ertragen wäre. Ich würde vermutlich vieles tun, um meine Schuld zu begleichen. Und darum versuche ich mich selbst zu bestrafen, in dem ich leide und leide. In Momenten wie diesen hier und jetzt komme ich mir unendlich blöd vor. Wann kann ich endlich dazu stehen, dass dieser Mensch, den ich am liebsten auslöschen würde genauso ICH bin, wie der, der gerade hier schreibt und versucht das Knäuel zu entwirren?

 

22.2.09 14:00
 


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